Wallfahrtsbasilika Maria Taferl

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Baugeschichte

Baugeschichte
Die Grundsteinlegung zur Wallfahrtskirche Maria Taferl, in die der Eichenbaum mit dem Gnadenbild einbezogen wurde, erfolgte am 25. April 1660. Die nötigen finanziellen Mittel kamen durch Opfergaben der Wallfahrer zusammen, aber auch Alexander Schinagl und andere Wohltäter erwarben sich darum große Verdienste. Bedingt durch Sammelverbote, Pest- und Kriegszeiten sowie die Türkengefahr sollte die Errichtung über 60 Jahre dauern. Die Weihe der Wallfahrtskirche fand am 29. Juni 1724 durch den Passauer Fürstbischof Joseph Dominikus Graf von Lamberg statt.
Der Bau entstand nach dem Entwurf eines unbekannten Baumeisters (Georg Silbernagel ?), zunächst unter der Leitung des niederösterreichischen Hof- und Landschaftsbaumeisters Georg Gerstenbrand (†1667 oder 1668). Ab 1671 führte der vorwiegend in Böhmen tätige Italiener Carlo Lurago (*um 1618; †1684) den Bau fort, von dem bis dahin wohl Sakristei mit darüber liegender Schatzkammer, Chor und Querschiff vollendet waren. Lurago war zu dieser Zeit mit der Erneuerung des Passauer Doms beschäftigt, der 1662 in weiten Teilen einem verheerenden Stadtbrand zum Opfer gefallen war, und sollte laut Vertrag während seiner Aufenthalte in Passau auch nach Maria Taferl reisen. 1673 wurde der Kontrakt mit Lurago gelöst, da die Unkosten zu hoch ausfielen. Unter seiner Ägide wurde das Langhaus errichtet, die Fassade war 1678 mit dem östlichen bzw. 1697 mit dem westlichen Turm vollendet. Mit der Fertigstellung des Baus beauftragte man 1707 Jakob Prandtauer (*1660; †1726), der bis 1711 die von außen nicht sichtbare, zunächst in Holz ausgeführte Kuppel über der Vierung durch Stein ersetzte. Der aus Stanz in Tirol stammende Prandtauer lebte seit 1689 in Niederösterreich und gilt neben Johann Baptist Fischer von Erlach und Lukas von Hildebrandt als einer der bedeutendsten Baumeister des österreichischen Barock. Sein Haupt- und Lebenswerk stellt der 1702-36 erfolgte barocke Umbau des Benediktinerstiftes Melk dar. Außerdem ist seine Tätigkeit für zahlreiche Kirchen und Klöster in Nieder- und Oberösterreich bezeugt, u. a. die Wallfahrtskirche Christkindl bei Steyr sowie die Stifte St. Florian und Garsten.

Aus der letzten Bauphase stammt auch der 1708 errichtete, 1716 aufgestockte und 1766 erneuerte zweigeschossige Pfarrhof westlich der Kirche. Das gewaltige Anwesen erstreckt sich über die ganze Länge des Kirchenbaus und weist im Obergeschoss das 1771 im Rokokostil ausgeschmückte Kaiserzimmer auf.
Bedingt durch die lange Bauzeit von über sechzig Jahren wurde bereits vor der Schlussweihe die erste Ausstattung in Teilen erneuert. Lediglich in der Sakristei hat sich Stuck der ersten Ausstattungsphase von der Hand Carlo Consenios erhalten. Im Kirchenraum wurde die von dem Maler und Stuckateur Giovanni Battista Colombo (*um 1638 oder 1648; † um 1700) ab 1671 ausgeführte ursprüngliche Stuckausstattung 1713-18 durch Fresken nach dem Entwurf Antonio Beduzzis (*1675; †1735) von ihm und seinen Mitarbeitern Josef Regiosi, Johann Reichard Hager, Maximilian Kellner und Francesco Messinta (*um 1675; †1745) ersetzt. Der in Bologna geborene Beduzzi hielt sich von 1695 bis zu seinem Tod in Wien auf und war als Maler, Architekt und Theater-Ingenieur tätig. Zu seinen zahlreichen Werken zählen die Ausmalung der Sommersakristei im Benediktinerstift Melk sowie der Freskenzyklus im Festsaal des Niederösterreichischen Landhauses in Wien.

Nach der Weihe 1724 erfolgte dann die Innenausstattung, die sich bis in das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts hinzog. Restaurierungen fanden zur 200-Jahr-Feier der Grundsteinlegung 1860 statt und 1951-54, nachdem ein Teil des Langhausfreskos abgestürzt war. In den Jahren 1982/83 wurde die Kirche außen renoviert, 1998 die Turmhelme neu gedeckt. Die jüngste, 2004 begonnene, umfassende Generalsanierung betraf die Raumschale, die komplette Einrichtung sowie die Orgel. 2004/05 wurde zur Vermeidung von Verrußung eine eigene Kerzenkapelle an der Südseite errichtet, die von der Basilika aus zugänglich ist. Zur 350-Jahr-Feier der Grundsteinlegung 2010 konnte die Renovierung abgeschlossen werden.




Text von Monika Soffner-Loibl - Kunstverlag Peda, Passau