Wallfahrtsbasilika Maria Taferl

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Rundgang

Hochaltar mit Gnadenaltar

Das Herzstück der Wallfahrtskirche Maria Taferl ist der barocke Hochaltar, der in den Jahren 1732-39 entstand. Die lange Entwurfs- und Ausführungszeit des Altares ist zurückzuführen auf die rechtliche Situation – die geistliche Oberaufsicht oblag dem Fürstbischof von Passau, die weltliche fiel in die Zuständigkeit seines Regensburger Amtskollegen. Die beiden Auftraggeber brachten eine Vielzahl von Künstlern sowie zahlreiche Änderungswünsche ins Spiel. Neben dem in Passau ansässigen Bildhauer Joseph Matthias Götz (*1696; †1760) und dem Regensburger Hofkammerrat Johann Philipp Mayer waren mit dem kurbayerischen Hofbaumeister Joseph Effner (*1689; †1745), dem St. Pöltener Baumeister Joseph Munggenast (*1680; †1741) sowie dem Linzer Baumeister Johann Michael Prunner (*1669; †1739) drei namhafte Künstler des Barock beteiligt.

Während schließlich Prunner mit den bautechnischen Aufgaben, wie dem Vergrößern des Gurtbogens über dem Hochaltar, betraut wurde, ist die von ihm selbst als „Trauerporten“ bezeichnete monumentale Schauwand Götz zuzuschreiben. Die Ausführung des zentralen Gnadenaltars oblag dem Passauer Goldschmied Johann Peter Schwendtner.
Am 12. Dezember 1755 vernichtete ein Brand im Altarraum sowohl das Gnadenbild als auch die Eiche und Teile des Silberschmucks. Die Eiche ersetzte man danach durch eine Nachbildung aus Blech.
Im Jahre 1810 verfügte die kaiserliche Regierung während der Napoleonischen Kriege die Ablieferung des Kirchensilbers, woraufhin man in Maria Taferl sämtlichen Zierrat des Gnadenaltars entfernte und ihn damit weitgehend zerstörte. 1811 wurde auf kaiserliche Anordnung ein Teil des verlorenen Schmucks in reduzierter Form wiederhergestellt.

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Anlässlich der 200-Jahr-Feier der Grundsteinlegung 1860 und der damit einhergehenden Restaurierung versah man den Figurenschmuck mit einer Vergoldung und den Altar mit einem Ölanstrich, der während der Renovierung 1951/52 wieder entfernt wurde.

Der Hochaltar besteht aus einer monumentalen dreigeschossigen Schauwand, die den gesamten Chorabschluss ausfüllt. In ihrem Zentrum ist der eigentliche Gnadenaltar mit dem Vesperbild eingestellt. Über einer hohen Sockelzone, in der links und rechts Opfergangportale eingefügt sind, erheben sich vier grau-rosa marmorierte Säulen, die die Schauwand auch in der Vertikalen in drei Abschnitte teilen. Die Mittelnische bleibt dem Gnadenaltar vorbehalten, während seitlich zwei vergoldete, überlebensgroße Prophetenfiguren des Alten Testaments aufgestellt sind: westlich Jesaja, östlich Jeremia, beide mit Schriftzitaten ausgestattet, die alttestamentliche Prophezeiungen des Leidens Christi darstellen. Die Skulpturen bestehen aus Ödenburger Kalkstein und waren ursprünglich mit weißem Gips überzogen und auf Alabasterart poliert. Über ihnen befinden sich zwei rechteckige Fensteröffnungen mit filigranem Schmiedewerk.

Über dem verkröpften Gebälk schwebt in der Mitte eine vergoldete Engelgruppe mit den Arma Christi, den Sinnbildern der Passion Christi.
Über der Altarmensa mit dem Relief des vor dem Kreuz betenden Hirten Thomas Pachmann erhebt sich der aus getriebenem Silber und feuervergoldetem Kupfer gefertigte Gnadenaltar. Der viersäulige Baldachinaufbau präsentiert in seinem Zentrum die aus Blech gefertigte Nachbildung des Eichenstammes sowie das in einem drehbaren Glasschrein ausgestellte Gnadenbild. Das am Baumstamm in einer Nische angebrachte Gehäuse ist mit einem sternenbesetzten Strahlenkranz mit Wolken und Engeln hinterlegt und von einer Sonne überstrahlt – Hinweise auf die zahlreichen Licht- und Engelserscheinungen auf dem Taferlberg.

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Seitenaltäre

Die beiden kleineren Seitenaltäre an den nördlichen Vierungspfeilern entstanden zeitgleich mit dem Hochaltar in den Jahren 1735-39 und wurden wie dieser nach Entwürfen von Joseph Matthias Götz gefertigt. Im Laufe der Zeit erfuhren sie aber so gravierende Umgestaltungen, u. a. wurde der gesamte Altarauszug entfernt, dass ihr heutiger Zustand nur noch als rudimentär zu bezeichnen ist. Erhalten haben sich lediglich die Mensa mit Predella sowie die Altarbilder, beide von dem hauptsächlich in Niederösterreich und Wien tätigen Maler Johann Georg Schmidt (*um 1685; †1748).
Es handelt sich bei den Gemälden um die Darstellung der Heiligen Johannes von Nepomuk und Karl Borromäus.


* Der als Beschützer des Beichtgeheimnisses verehrte Generalvikar von Prag, Johannes von Nepomuk, erfuhr 1393 sein Martyrium in der Moldau und wurde 1729 heiliggesprochen. Er ist auf dem Gemälde während der Spende von Almosen an Bedürftige dargestellt und damit als Vorbild für die Wallfahrer.

* Der Kardinal und Bischof von Mailand Karl Borromäus (*1538; †1584) ist beim Austeilen der Kommunion an Seuchenkranke zu sehen. Er wurde bereits 1610 heiliggesprochen und fortan als Pestpatron verehrt.

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In den Jahren 1779-81 entstanden die beiden Seitenaltäre an den Stirnseiten des Querschiffs. Die zwei Altäre sind als Pendants gestaltet und beziehen das Oberlichtfenster in den Altarauszug ein. Gefertigt wurden sie von dem Steinmetz Jakob Mössl, die Bilder aus dem Jahr 1775 stammen von Martin Johann Schmidt (*1718; †1801), die Figuren von Johann Georg Dorfmeister (*1736; †1786). Der geborene Wiener Dorfmeister war Schüler von Balthasar Ferdinand Moll, dem Schöpfer des Doppelsarkophags von Kaiserin Maria Theresia und Kaiser Franz I. Stephan in der Wiener Kapuzinergruft, und gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Bildhauer der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Seine vergoldeten Figuren zeigen am Josephsaltar im Osten die Eltern Mariens, Joachim und Anna, denen jeweils ein vom Himmel herabschwebender Engel die Geburt ihrer Tochter Maria verkündet. Anna ist mit einem Buch als zukünftige Erzieherin Mariens dargestellt, während Joachim gemäß der Überlieferung bei seiner Herde auf dem Felde von dem Engel überrascht wird. Das Altarblatt zeigt die Heilige Familie auf einer von Engeln getragenen Wolkenbank gen Himmel schwebend als Beschützerin des Gnadenortes Maria Taferl, der unten rechts zu erkennen ist.

Am Kreuzaltar gegenüber dreht sich alles um das Thema Opfer. Die flankierenden Skulpturen stellen links Moses mit der ehernen Schlange, rechts die Opferung Isaaks durch Abraham dar, die ein Engel in letzter Minute verhindert. Das Altarblatt von Martin Johann Schmidt zeigt die Kreuzigung Christi zusammen mit den Kreuzen der beiden Schächer. Der Kremser Schmidt gilt als der überragende Meister des spätbarocken Altar- und Andachtsbildes in Österreich. Er und seine Werkstatt hinterließen ein außerordentlich umfangreiches Œuvre an Ölbildern, Zeichnungen und Druckgrafiken. Eine Vielzahl österreichischer Stifte, darunter Göttweig, Seitenstetten und St. Peter in Salzburg, und eine noch größere Anzahl österreichischer Pfarrkirchen besitzen Werke aus der Hand Martin Johann Schmidts. Im Gegensatz zu den gut vierzig Jahren früher entstandenen Bildern des „Wiener Schmidts“ sind seine Bilder in der Farbigkeit stark zurückgenommen. Brauntöne überwiegen, der Hell-Dunkel-Effekt ist ausgeprägt.

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Die Kanzel
Die noch vor dem Hochaltar errichtete Kanzel aus dem Jahr 1726 entstand nach dem Vorbild der im selben Jahr fertiggestellten Kanzel des Passauer Domes St. Stephan, die nach einem Entwurf des auch in Maria Taferl tätigen Antonio Beduzzi geschaffen worden war. Mit Erlaubnis des Passauer Fürstbischofs Joseph Dominikus von Lamberg fertigte der St. Pöltener Tischlermeister Matthäus Tempe den Aufbau, während die Figuren von dem Bildhauer und Schwiegersohn Prandtauers, Peter Widerin (*1684; †1760), stammen. Widerin arbeitete an zahlreichen Wirkungsstätten seines Schwiegervaters mit, u. a. an der Wallfahrtskirche Sonntagberg und der Stiftskirche Melk, wo er auch die Figuren an der Kanzel schuf.
Wie das Passauer Vorbild ist die Kanzel komplett vergoldet. Über dem Aufgangsportal präsentieren Engel das Schweißtuch Christi, während an der Brüstung die Arma Christi dargestellt sind. Am Korb befinden sich Figuren der vier Evangelisten mit ihren jeweiligen Attributen sowie zwei Reliefs mit alttestamentlichen Szenen, die Moses mit der ehernen Schlange und den Verkauf Josefs durch seine Brüder zeigen. An der Kanzelrückwand ist die Darstellung des zwölfjährigen Jesu im Tempel zu sehen, flankiert von weiblichen Figuren mit Essigschwamm und Lanze. Den Schalldeckel besetzt eine eindrucksvolle vielfigurige Gruppe, bestehend aus der thronenden Ecclesia mit Weltkugel und Kirchenmodell sowie Engeln mit Kreuz und Gesetzestafeln. Bekrönt und überhöht wird der Aufbau von der Taube des Heiligen Geistes im Strahlenkranz.

Foto Kunstverlag Peda, D-94034 Passau

Die Orgel der Wallfahrtsbasilika verfügt heute über 47 Register und 2915 Pfeifen, verteilt auf 4 Manuale und Pedal. Während der jüngsten Renovierung wurde das Werk von der Fa. Bodem in Leopoldsdorf bei Wien generalüberholt und der Prospekt entsprechend der ursprünglichen Farbgebung neu gefasst. Das prunkvolle, reich vergoldete Gehäuse der Orgel von Maria Taferl gehört zu den bedeutendsten Rokokoprospekten Österreichs. Das Hauptwerk ist in zwei seitlich des großen Fassadenfensters stehende fünfteilige Prospekte aufgeteilt, die durch einen geschwungenen Rocaillebogen mit Uhr verbunden sind. Vergoldete Schleierbretter und Engel bilden den Schmuck. Das ebenfalls fünfteilige Brustpositiv ist in die Emporenbrüstung eingefügt.

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Die Sakristei nördlich des Altarraumes mit der Schatzkammer darüber und der Krypta ist der älteste Bauteil der Wallfahrtskirche aus dem Jahre 1661. Der in Breite des Chores errichtete Raum hat sich sein ursprüngliches Aussehen bis heute bewahrt. Seine Stichkappentonne trägt reichen frühbarocken Stuck von 1664, wie er zunächst die gesamte Kirche schmückte. Er stammt von dem in den Jahren 1656-96 in und um Wien sowie in Südtirol tätig gewesenen Stuckateur Carlo Conseglio und zeigt Muschelwerk, Fruchtbündel und Engelsfiguren. In den Kartuschen der Stichkappen sind Putten mit Messutensilien zu sehen, die drei rechteckigen Fresken im Gewölbescheitel zeigen Engel in Verehrung der Eucharistie. Die schlichten Schränke von 1665 aus Kirschholz schuf der Tischler Andreas Porrer aus Ybbs, der Marmorlavabo stammt von 1677.

Text von Monika Soffner-Loibl - Kunstverlag Peda, Passau